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Mensch & Umwelt

In 14h 17min mit dem ÖBB Nightjet von Wien nach Brüssel

Gestern um 20:38 am Wiener Hauptbahnhof gestartet, kam der ÖBB Nightjet 50490 nach 14h 17min in Brüssel Midi an. Der Standard postete auf Facebook anschließend „ÖBB-Nightjet fuhr erstmals in Brüssel ein“, wenig später folgten daraufhin auch schon die ersten kritischen Kommentare. Sofort wird der Vergleich eines (angeblich) 200€ teurem Zug-Ticket mit einem Lauda-Flug angestellt, der für einen je 2h dauernden Hin & Rückflug 53€ kostet. Natürlich entflammt darauf eine hitzige Diskussion reichend von Zustimmung bis hin zu Korrekturen.

Fakten-Check?

Zug-Ticket

Dieser Vergleich wirft bei mir genauso viele Fragen auf, wie er Korrekturen benötigt. Beginnend damit, dass ein Komfort-Ticket Nightjet im Sitzwagen für den nächsten NJ am Mittwoch, 22.01. aktuell 99,00€ kostet. Fährt man mit der Sparschiene kostet das Ticket laut ÖBB sogar nur 79,90€. Wenn man einen Blick in die Zukunft wirft, zum Beispiel auf den Mittwoch, 26.02., gibt es das zurzeit billigste Sparschiene-Angebot bereits ab 59,90€. Selbstverständlich ist es richtig, dass ein Ticket im Schlafwagen mit 3 Betten 159,90€ kostet und auch je nach Wunsch bis zu (über) 200€ reichen kann. Der Vergleich hinkt aber deswegen schon, da er mit einem Flug-Ticket angestellt wird, in dem man auch (nur) einen Sitzplatz erhält.

Reality-Check?

Sucht man zum Beispiel auf Checkfelix nach Flügen Wien – Brüssel, wird man für den 22.01 tatsächlich schon ab 29€ fündig und tatsächlich auch bei Lauda. Ein Ticket für dieselbe Strecke bei Austrian Airlines kostet bereits 394€. Denkt man etwas näher an der Realität und fügt dem Flug noch 1 x 20 kg Gepäck hinzu (welches man bei einer Zugfahrt kostenlos mitnehmen kann), fallen bereits 44€ mehr an. Also macht das auch für den billigsten Flug bereit 73€, ohne irgendwelche Extras.

Natürlich kann man auch mit der Reisedauer argumentieren, die mit 1h 50min beim Flug deutlich von der benötigten Zeit des Zuges abweicht. Bei den ca. 2h sind jedoch auch noch keine Fahrt zum Flughafen Wien und vom Flughafen Brüssel in die Stadt eingerechnet. Auch keine Wartezeit und Kontrollen am Flughafen, die bei den ÖBB nicht anfallen. Auch das kann sich aufsummieren und ist auch im Preis des vermeintlich günstigen Flug-Tickets noch nicht eingerechnet.

Mein Fazit

Einen derartigen Vergleich von Zug- und Flugreise anzustellen, ist in meinen Augen äußerst bedenklich. Sollte er trotzdem angestellt werden, muss auch von gleichen Bedingungen ausgegangen werden. Natürlich wird der Zug den Flug nicht in Sachen Schnelligkeit einholen. Der Flug verliert aber auch deutlich in Sachen CO2-Bilanz. Auch der Komfort einer (Nacht-)Zugreise und einem Flug lässt sich keineswegs vergleichen.
Mir wäre es ein großes Anliegen, wenn schon verglichen werden muss, dass das auch auf Fakten beruht, und nicht nur mit aus der Luft gegriffenen Zahlen herumjongliert wird.

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